Was sind Hernien?

Eine Hernie (auch „Bruch“ genannt) entsteht, wenn Gewebe oder Organe durch eine Schwachstelle in der Bauchdecke oder im Bindegewebe austreten. Dies führt oft zu einer spürbaren Vorwölbung, die besonders beim Husten, Pressen oder Heben sichtbar wird. Häufige Hernienarten & Symptome
  1. Leistenhernie (Leistenbruch)Häufigste Hernienart (etwa 75–80% aller Hernien)
    • Betrifft Männer deutlich häufiger als Frauen (Verhältnis ca. 8:1), Lifetime-Risiko (27% bei Männern, 3% bei Frauen), Häufigste Altersgruppe: 50–70 Jahre
    • Symptome: Ziehende Schmerzen in der Leiste, Schwellung, die sich beim Pressen vergrößert
  1. Nabelhernie (Nabelbruch)
    • Häufig bei Säuglingen (kann sich von selbst zurückbilden)
    • Bei Erwachsenen: oft durch Übergewicht, Schwangerschaft oder Bindegewebsschwäche, Leberzirrhose
    • Symptome: Vorwölbung am Bauchnabel, die sich beim Pressen vergrößert, Druckgefühl, ziehende Schmerzen
  1. Narbenhernie (nach Operationen)
    • Tritt nach 10–20% aller Bauchoperationen auf. Besonders nach Notfall-OPs oder Wundheilungsstörungen. Die häufigste Lokalisation: Mittellinie des Bauches
    • Symptome: Schmerzen, tastbare Lücke in der Narbe, beim Pressen tritt eine Vorwöbung auf.
  1. Schenkelhernie (Oberschenkelbruch)
    • Unterhalb der Leiste, näher am Oberschenkel, Seltenere Form (ca. 5–10% aller Hernien), Betrifft häufiger Frauen (besonders ältere Frauen mit Bindegewebsschwäche)
    • Symptome: Schmerzen beim Strecken des Beins
    • Gefahr der Einklemmung höher als bei Leistenhernien
Ursachen einer Hernie
  • Bindegewebsschwäche (angeboren oder altersbedingt)
  • Erhöhter Bauchdruck (z. B. durch schweres Heben, chronisches Husten, Verstopfung, Schwangerschaft )
  • Voroperationen (Narbenhernien)
  • Übergewicht oder Schwangerschaft
  Wann ist eine OP nötig? Hernien verschwinden nicht von selbst und können gefährlich werden, wenn sich Darmanteile einklemmen (Inkarzeration). Dann drohen:
  • Starke Schmerzen & ÜbelkeitDurchblutungsstörungen des Darms (Notfall!) Lebensgefährliche Komplikationen
  Welche Therapie-Optionen gibt es? Eine konservative Behandlung kann nur eine vorübergehende Linderung bringen, aber keine Heilung. Deshalb setze ich in meiner Praxis ausschließlich operative Behandlungen bei Hernien ein. Das Ziel der OP ist:
  • Zurückverlagern des Bruchinhalts.
  • Stabilisieren der Bauchwand (meist mit Netz).
Methoden:
  • Offene Hernien-OP:
    • Klassischer Schnitt über der Hernie.
    • Netz wird eingelegt, zwischen den Bauchwandschichten um ein erneutes Auftreten zu verhindern.
  • Laparoskopische („Schlüsselloch“-)OP:
    • Minimal-invasiv mit Kamera und kleinen Schnitten.
    • Geringere Narbenbildung, schnellere Erholung.
   Wann ist eine OP dringend? Sofortige Behandlung erforderlich, wenn:
  • Die Hernie nicht mehr zurückdrückbar ist.
  • Starke Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen auftreten (Zeichen einer Einklemmung!).
Nach der Operation
  • Leichte körperliche Aktivitäten (z. B. Spazierengehen, alltägliche Bewegungen) sind meist ab dem ersten Tag nach der Operation möglich.

  • Vermeiden Sie jedoch schweres Heben, ruckartige Bewegungen und starkes Pressen für vier Wochen

  • Die Hautnähte sind in der Regel resorbierbar und müssen nicht entfernt werden.

  • Halten Sie die Wunden trocken und sauber; Duschen ist nach 24–48 Stunden erlaubt, Baden oder Schwimmen jedoch erst nach vollständiger Wundheilung (ca. 2 Wochen).

  • Beobachten Sie die Wundregion regelmäßig – bei Rötung, Schwellung, Sekretion oder Schmerzen informieren Sie bitte umgehend Ihr Arzt.

Risiken: Wundinfektionen, Blutungen oder erneute Hernie (Rezidiv) sind die meisten Komplikationen. Die Hernienchirurgie ist heute sicher und routiniert. Moderne Netzverfahren reduzieren das Rückfallrisiko auf unter 5 %. Wichtig ist, die OP nicht unnötig aufzuschieben, um Komplikationen zu vermeiden. Ihre behandelnde Ärztin/Arzt wird mit Ihnen die beste Methode besprechen! Kann man Hernien vorbeugen?
  • Vorsicht beim Heben schwerer Lasten (richtige Körperhaltung!)
  • Gesunde Ernährung & Bewegung (Verstopfung vermeiden)
  • Rauchen einstellen (schwächt Bindegewebe)
  • Bauchmuskeltraining (moderat, keine Pressübungen!)
  Wichtig: Falls Sie eine Beule oder Schmerzen im Bauch-, Leisten- oder Narbenbereich bemerken, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen. Eine frühzeitige Behandlung beugt Komplikationen vor! ➡ Haben Sie Fragen? Ich berate Sie gerne!